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  • Dein Skizzenbuch darf alles – fang einfach an :-)

    Dein Skizzenbuch darf alles – fang einfach an 🙂

    Vor ungefähr zehn Jahren habe ich nach langer Zeit endlich zum Zeichnen zurückgefunden. Ich hatte mir fest vorgenommen, meine Skizzenbuch-Sammlung endlich zu nutzen. So einfach war das aber nicht, denn ich hatte nach wie vor großen Respekt vor dem weißen Blatt. Und meine Skizzenbücher waren Heiligtümer. So schöne Bücher, so schön gebunden, so schönes, weißes Papier. Ich hatte Hemmungen, sie zu „besudeln“, weil ich dachte, ich werde ihrer Schönheit nicht gerecht. Aber ich habe es nach einigen Anläufen doch noch geschafft, ganz unbefangen darin zu zeichnen.

    Besser digital als gar nix

    Zunächst habe ich mich mit digitalen Möglichkeiten ausprobiert, auf dem Tablet. Das konnte man einfach löschen, wenn’s nix geworden war. Damals waren die Programme und auch die Eingabemedien, also die Zeichenstifte, noch nicht besonders ausgereift. Aber es war immer noch besser, als eines dieser heiligen Skizzenbücher zu zerstören. Ziemlich schnell habe ich aber festgestellt, dass das für mich nicht das Wahre ist. Mir fehlte natürlich der Kontakt mit dem echten Papier, mit dem echten Zeichenwerkzeug. Und deshalb habe ich mich dann eben doch getraut, eines der Skizzenbücher herzunehmen und meine ersten Zeichenversuche zu starten.

    Seeeeehr unsicher und ungelenk: meine ersten Versuche auf dem Tablet. Lustig find‘ ich’s trotzdem.

    Inspiration

    Da ich, wie gesagt, auch Bücher liebe, nicht nur leere, sondern auch bedruckte, habe ich mich damit erst mal eingedeckt. Glücklicherweise gab es zu dem Zeitpunkt schon einige Bücher übers Skizzieren und Zeichnen. Hauptsächlich auf Englisch, aber das gab mir die Gelegenheit, mein altes Schulenglisch wieder aufzupolieren. Es war eine Offenbarung. Mit großen Augen, wie das sprichwörtliche Kind vor dem Weihnachtsbaum, habe ich diese Bücher verschlungen.

    Das erste war „Mut zum Skizzenbuch“ von Felix Scheinberger. Das gibt’s auf Deutsch und ist immer noch eine Empfehlung, um den (Wieder-)Einstieg ins Zeichnen zu erleichtern. Das zweite war „Artist’s Journal Workshop“ von Cathy Johnson und das dritte „An Illustrated Life“ von Danny Gregory.

    Besonders spannend fand ich, wie unterschiedlich die darin abgebildeten Skizzen und Skizzenbücher waren. So verschiedene Stile, Formate, Themen, Ansätze. Ich fühlte mich wie angekommen, wie endlich verstanden. Nie hätte ich gedacht, was man sich alles erlauben darf. Denn das war eigentlich mein Problem. Ich habe mir nicht erlaubt, zu experimentieren, Fehler zu machen und einfach das zu zeichnen, was mir gerade in den Sinn kam oder vor mir stand. Ein weiteres Buch von Danny Gregory hat dann endgültig das Eis gebrochen: „The Creative License: Giving Yourself Permission to Be the Artist You Truly Are“.

    Keine Ausrede mehr

    Ich hatte jetzt also keine Ausrede mehr. Also habe ich mir eines meiner Skizzenbücher geschnappt. Die Sammlung ist natürlich während meiner Recherche noch angewachsen. Ich habe einen meiner Hunde gezeichnet. So schlecht ist es eigentlich gar nicht geworden, aber dennoch nicht so locker und spontan, wie ich es mir erhofft hatte. Also bin ich dazu übergegangen, zunächst mal ein etwas günstigeres Skizzenbuch zu nehmen oder auch ein Heft. Hier war die Hemmung nicht ganz so groß und ich habe ziemlich viele Skizzen von meinen Hunden, meinem Innenhof, meinen Spaziergängen etc. mit allen möglichen Stiften und Farben gemacht. Ich habe experimentiert, inwieweit sich Zeichnungen gut mit Aquarellfarbe kolorieren lassen, wo Buntstifte besser geeignet sind oder wofür ich am besten nur den Bleistift verwende.

    Alles in allem ergab das ein ziemliches Sammelsurium von verschiedenen Techniken, Papieren, Tools. Einfach ein großer Spielplatz für meine so lang zurückgehaltene Lust am Zeichnen.

    Alles Mögliche ausprobiert – genau dafür ist ein Skizzenbuch da.

    Erleichterung

    Ich hatte es also jetzt endlich geschafft, wieder regelmäßig zu zeichnen und noch dazu meine Skizzenbücher zu nutzen. Ganz leicht ist mir das nicht gefallen, aber ich habe ein paar Tricks angewendet. Der erste war, auf der letzten Seite verschiedene Materialien zu testen. Also auszuprobieren, wie das Papier auf verschiedene Stifte, Farben reagiert und wie ich es am besten nutzen kann.

    Der zweite Trick: ganz vorne meine Adresse hineinschreiben mit der Bitte, mich zu informieren und mir das Buch zurückzugeben, falls es verloren geht. Das ist gar keine schlechte Idee. Mir ist es wirklich einmal passiert, dass ich mein Skizzenbuch in der S-Bahn vergessen habe. Jemand hat es gefunden und mich aufgrund dieser Notiz ganz vorne angeschrieben, sodass ich mein Buch zurückbekommen konnte. Was für ein Glück.

    Drittens habe ich, falls ich doch mal auf irgendeinem Schmierzettel skizziert habe, mir angewöhnt, diese Skizze in mein Skizzenbuch hineinzukleben. So geht nichts verloren und manchmal ist es einfacher, auf einem minderwertigen Papier zu zeichnen. Wenn die Skizze dann gelungen ist, bewahre ich sie einfach sicher im Skizzenbuch auf.

    Weiterhin habe ich mir angewöhnt, meine Skizzen mit einem kurzen Text und dem Datum zu versehen. So konnte ich gut nachvollziehen, wie ich über die Zeit Fortschritte gemacht hatte. Und einige tagebuchähnliche Einträge haben mich daran erinnert, was zu einer bestimmten Zeit passiert ist.

    Gemeinsamkeiten

    Ich habe festgestellt, dass es vielen so geht wie mir. Nicht nur, dass sie Bammel davor hatten, überhaupt zu zeichnen, sondern dass sie Probleme damit hatten, regelmäßig zu zeichnen. Quantität macht nämlich Qualität. Je mehr man zeichnet, desto besser wird man. Das ist gar nicht zu vermeiden und das will man ja auch nicht.

    Ein Skizzenbuch ist der ideale Ort dafür. Es ist wie ein kleines Tagebuch und allein schon das Buch selbst erinnert daran, mal wieder den Stift zur Hand zu nehmen. Nicht ohne Grund führen sehr viele, früher eigentlich alle, Künstlerinnen und Künstler ein Skizzenbuch. Es ist einfach das ideale Archiv für Entwürfe, Ideen und Experimente.

    Aber am schönsten ist das Zeichnen in einer Gemeinschaft. Also gemeinsam mit anderen kreativen Köpfen. Egal ob mit Freunden, beim Urban Sketching, online oder offline. Der Austausch miteinander, das Sich-über-die-Schulter-Schauen und Tippsgeben ist fast unbezahlbar. Ich zeichne am liebsten mit anderen zusammen. Da blühe ich richtig auf. Es gibt mir Energie und neue Ideen, sowohl für meine Kurse als auch für meinen Alltag. Es ist ein bisschen wie ein halber Urlaubstag.

    Probier’s einfach mal aus. Nimm Skizzenbuch und Stift und los geht’s. Happy Sketching!

  • Warum es leichter ist, nach einem Foto zu zeichnen – und warum du trotzdem regelmäßig live skizzieren solltest

    Warum es leichter ist, nach einem Foto zu zeichnen – und warum du trotzdem regelmäßig live skizzieren solltest

    Wenn ich Social Media durchscrolle, lese ich oft: „Ich kann nur abzeichnen.“ Und ich frage mich: Warum das „nur“? Abzeichnen ist nichts Schlechtes. Ich persönlich bin mit „nur abzeichnen“ vollkommen zufrieden. Schauen wir uns an, welche Wege es gibt, eine Skizze zu machen.

    Zeichnen nach einer Aufsichtsvorlage (z. B. Foto, Ausdruck, Standbild)

    Diese Vorlage ist zweidimensional. Die Umwandlung von 3D nach 2D ist also schon passiert. Das macht es dir leichter, weil du deinen Blick schulst und das Motiv klarer erfassen kannst. Perfekt zum Üben.

    Du kannst sogar ein Foto durchpausen. Ja, das ist kein Zeichnen im klassischen Sinn, aber es hilft. Du trainierst dein Gehirn, das Gesehene ohne Kommentar an die Hand weiterzugeben. Das ist besonders hilfreich, wenn du neu beginnst oder dich mit bestimmten Formen schwer tust.

    Fotos halten still. Du kannst messen: Proportionen, Winkel, Abstände. Alles in Ruhe und ideal, um Sicherheit zu gewinnen.

    Der Kanllinger, mein Hund
    Bevor du ein sich bewegendes Objekt live zeichnest, mach erstmal ein Foto und zeichne von diesem ab.

    Zeichnen aus direkter Beobachtung (live, vor Ort, aus direkter Beobachtung)

    Jetzt kommt die dritte Dimension ins Spiel. Du musst sie selbst übersetzen. Das ist anspruchsvoller, aber lohnend.

    Du kannst Objekte anfassen, drehen, neu arrangieren. So verstehst du sie wirklich. Dieses „Be-greifen“ hilft dir, ein Motiv später auch aus dem Kopf zu ergänzen. Du schulst deinen Blick und trainierst das genaue Hinschauen. Du lernst, Formen und Proportionen aus verschiedenen Perspektiven zu erfassen und auf das Wesentliche zu reduzieren.

    Beim Urban Sketching kommen weitere Herausforderungen dazu: Licht ändert sich, Menschen bewegen sich, du hörst den Trubel um dich herum.

    Live zu zeichnen ist intensiver. Du erlebst das Motiv. Du bist mitten drin oder direkt davor. Stillleben kannst du so stellen, wie es dir gefällt. Draußen geht das zwar nicht, aber auch dort kannst du vereinfachen, Dinge einfach weglassen oder deinen Standort ändern.

    Antikensammlung Freiburg
    Antikensammlungen sind prima, um Menschen zeichnen zu üben – die halten still!

    Gemeinsam live skizzieren ist nochmal einmal eine Steigerung
    In der Gruppe wird Zeichnen zu einem Erlebnis. Du bekommst Feedback, neue Ideen, siehst verschiedene Herangehensweisen. Du lernst Tools, Tricks und Techniken nebenbei. Und du bist nicht allein.

    Ob online oder offline: Eine gemeinsame Zeichensession ist wie ein Kurzurlaub mit Stift und Papier.

    Zeichnen aus dem Kopf

    Es ist durchaus hilfreich, wenn du bei manchen Motiven schon weißt, wie sie funktionieren – also sie bereits zeichnerisch umgesetzt hast. Das funktioniert aber nur, wenn du das Motiv zuvor wirklich beobachtet hast. Sei es direkt oder über eine gute Vorlage. Denn was nicht im Kopf drin ist, kannst du natürlich auch nicht aus dem Kopf abrufen.

    Ich nutze das Zeichnen aus dem Kopf nur als Hilfsmittel. Wenn ich zum Beispiel meinen Hund zeichne und habe eine ungünstige Ansicht, dann weiß ich, wie er logischerweise aussieht – weil ich ihn oft gezeichnet habe. Mehr aber auch nicht. Das reine Zeichnen aus dem Kopf bringt mir wenig. Es übersetzt nicht meinen Eindruck in meinen Ausdruck.

    Peppi, der irische Setter
    Peppi habe ich schon so oft gezeichnet, dann klappt es auch mal aus dem Kopf 🙂

    Wenn du deinen eigenen Stil im Zeichnen und Skizzieren finden möchtest, dann gib dir selbst die Chance, dich zu entwickeln.

    Hier meine Tipps für dich:

    Zeichne jeden Tag ein wenig. Wirklich jeden Tag. Es muss nichts Großes sein. Eine Teetasse, deine Brille, das Obst auf dem Tisch. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Größe des Motivs.

    Mach es dir einfach. Starte mit einem einzelnen Gegenstand, statt mit einem komplexen Stillleben. Zeichne lieber fünfmal dein Sofa als einmal das komplette Wohnzimmer.

    Zeichne viel. Quantität führt zu Qualität. Je öfter du den Stift in die Hand nimmst, desto fließender wird der Prozess. Du lernst mit jeder Skizze und entwickelst eine ganz natürliche Routine.

    Nimm dir gutes Material. Kein überkandideltes Luxuspapier, aber auch nicht das letzte Schmierblatt. Ein angenehmes Skizzenbuch, ein paar gute Stifte – das gibt deinen Zeichnungen Wert und zeigt dir selbst, dass dein Tun wichtig ist.

    Wertschätze deine Zeichnungen. Auch die, mit denen du unzufrieden bist. Sie gehören dazu. Sie zeigen, dass du ausprobierst und dass du wächst. Und irgendwann entdeckst du in einer vermeintlich schlechten Skizze eine Detail, das du liebst.

    Probiere verschiedene Tools aus. Unterschiedliche Stifte, Farben, Formate, Papiere – ja sogar Collagen oder Mixed Media. Je mehr du spielst, desto mehr findest du heraus, was zu dir passt – und was du lieber anderen überlässt.

    Zeichne in Gemeinschaft. Such dir Gleichgesinnte. Tausche dich aus. Hol dir Impulse. Gib Feedback. Ob online oder im echten Leben: gemeinsam skizzieren ist wie ein kleines kreatives Fest. Es motiviert, macht Spaß und bringt dich auf neue Ideen.

    Ich habe selbst viel ausprobiert und mit der Zeit einen Weg gefunden, das Zeichnen in mein Leben zu integrieren. Ich liebe es, meinen Eindruck zu meinem Ausdruck zu machen, Dinge zeichnerisch zu ergründen und ihnen einen Sinn zu geben. Ich halte Gedanken fest, visualisiere Ideen – und manchmal schreibe ich einfach nur meine Einkaufsliste auf. Mein Skizzenbuch hilft mir, die Dinge um mich herum besser zu verstehen und meine Erinnerungen festzuhalten. Finde auch du deinen eigenen Zugang, wie du das Skizzieren in deinen Alltag holst. Es lohnt sich.

    Happy Sketching!

  • Skizzieren leicht gemacht – 3 Prinzipien, die jede Zeichnung vereinfachen

    Skizzieren leicht gemacht – 3 Prinzipien, die jede Zeichnung vereinfachen

    Du beginnst eine Skizze mit Schwung und guter Absicht – und dann steckst du fest. Du verlierst den Überblick oder gerätst ins Rätseln, wie du jetzt weitermachen sollst. Oder wie du hättest anders anfangen sollen. In solchen Momenten ist es gut, ein paar klare Prinzipien im Kopf zu haben, die dir Struktur geben und dir helfen, deinen Weg durch ein Motiv zu finden.  Dabei solltest du aber nie an Lockerheit verlieren – im Gegenteil. Die 3 Prinzipien sind deine Anker, wenn du gar nicht weißt, wie du starten sollst oder wenn du mittendrin denkst: “Da stimmt doch was nicht!”. Sie helfen dir, deinen Skizzen einen Rahmen zu geben, in dem du dich frei entfalten kannst, um einfach locker alles zu zeichnen 🙂

    Wenn du dieses Prinzip verstehst und anwendest, bekommst du sofort mehr Halt in der Zeichnung. Es ist wie ein inneres Skelett oder Gerüst, das dir hilft zu verstehen, wie das Ganze aufgebaut ist.

    Prinzip 1: Proportionen und Achsen finden

    Bevor du überhaupt an Details denkst, lohnt es sich, die grundlegenden Linien zu erfassen, die dem Motiv Halt und Struktur geben. Jedem Gegenstand oder Lebewesen liegt dieses Prinzip zugrunde. Ein Baum, ein Stuhl oder ein Gebäude haben ein grundlegendes Gerüst, ein Fundament, einen Unterbau, der alles stützt und auf den das Motiv aufgebaut ist. Bei der menschlichen Figur oder einem Säugetier sind das zum Beispiel drei gedachte Körperachsen bzw. Teile des Skeletts: Wirbelsäule, Schultergürtel und Becken, also die wichtigsten Teile des Körpers neben den Gliedmaßen.

    Prinzip 2: Flächen erkennen und in Grundformen denken

    Du brauchst nicht alles auf einmal zu erfassen. Im Gegenteil: du darfst und solltest zunächst stark vereinfachen. Es ist ein bisschen wie ein Puzzle: zuerst alles auseinandernehmen, dann wieder zusammensetzen. Dabei achtest du besonders auf die Grundformen, in die sich dein Motiv “zerlegen” lässt. Zeichne sie ruhig auf einer Kopie ein – das hilft deinem Gehirn, es später auch ohne “kopieren“ besser zu verstehen und umzusetzen. So kann zum Beispiel bei der menschlichen Figur der Kopf ein Oval sein, der Torso ein Rechteck, die Beine langgestreckte Dreiecke. Wenn du große Flächen zuerst zeichnest und erst später in die Details gehst, bekommst du eine stabile Basis. Du siehst klarer, was zusammengehört, und kannst darauf aufbauend viel freier und sicherer arbeiten.

    Prinzip 3: Bildaufbau und Formatwahl

    Wie und wo du dein Motiv auf dem Blatt platzierst und ob du ein Hochformat, ein Querformat oder ein Quadrat wählst, entscheidet oft darüber, ob es wirkt oder nicht. Ein guter Bildaufbau sorgt für Spannung oder Ruhe – je nachdem, was du erreichen willst. Es gibt einfache Kompositionsregeln, die dir helfen, das zu steuern. Damit vermeidest du typische Stolperfallen, wie zum Beispiel mittige Position im Format, ungewollte Kollisionen von Linien oder abgeschnittene Blickachsen. Wenn du lernst, ein Format geschickt auszusuchen und dein Motiv darin bewusst anzuordnen, verändert sich deine Skizze grundlegend. Gängige Kompositionsmodelle sind beispielsweise Dreierregel, goldener Schnitt, S-Kurve, Diagonale und Dreieck. Es gibt noch mehr, aber mit diesen bist du immer gut aufgestellt.

    Diese drei Prinzipien haben nicht nur meine eigene Arbeit verändert, sondern auch vielen Teilnehmerinnen meiner Kurse geholfen, sich beim Zeichnen nicht mehr so schnell zu verlieren. Es geht nicht um starre Regeln – sondern um ein Gerüst, das dir hilft, mit mehr Sicherheit und Freude an ein Motiv heranzugehen. Wenn du magst, probier’s mal aus. Es kann so viel verändern.

  • Menschen zeichnen – eine kurze Anleitung nach dem IKEA-Prinzip

    Menschen zeichnen – eine kurze Anleitung nach dem IKEA-Prinzip

    Wer schon mal ein Regal vom großen schwedischen Möbelhaus aufgebaut hat, kennt das Gefühl: Man hat eine klare Vorstellung vom fertigen Möbelstück (es sah im Katalog so einfach aus!), aber vor einem liegt nur ein Haufen Einzelteile – und eine Anleitung, die bestenfalls rätselhaft ist.

    Beim Zeichnen von Menschen ist es ähnlich. Wir sehen die fertige Figur – live oder auf einer Vorlage – un der ”Trick” ist jetzt, sie aus den Einzelteilen zusammenzusetzen. Wie das funktioniert? Genau wie bei IKEA: Schritt für Schritt.

     

    Schritt 1: Wähle dein „Möbelstück“ – das Motiv

    Such dir eine Figur aus, die du zeichnen möchtest. Entweder du zeichnest live, also aus der direkten Beobachtung, oder du suchst dir eine Vorlage im Internet oder eine gedruckte, z.B. aus einer Zeitschrift. Studiere sie genau und versuche schon jetzt, die Zeichnung im Kopf vorauszudenken. Je  klarer dein Bild vom Endergebnis, desto leichter wird der Aufbau.

     

    Schritt 2: Lege dir die Einzelteile zurecht

    Bevor du loslegst, hilft es, sich bewusst zu machen, aus welchen Bauteilen eine menschliche Figur besteht:

    • Der Kopf – unser erster Orientierungspunkt
    • Die Körperachsen – das „Grundgerüst“, bestehend aus:
      • Schulterachse
      • Wirbelsäule
      • Hüftachse
    • Die Gliedmaßen, unterteilt in:
      • Ober- und Unterarm
      • Oberschenkel und Unterschenkel

    Wenn du diese Bauteile im Kopf hast, wird es leichter, sie sinnvoll zusammenzusetzen.

    Grundgerüst Menschen zeichnen

    Schritt 3:  Baue das Grundgerüst

    Jetzt wird zusammengefügt, was zusammengehört. Starte mit dem Kopf und richte die Körperachsen aus. Diese helfen dir, die Haltung und Dynamik der Figur festzulegen.

    Dann kommen die Gliedmaßen dran. Achte darauf, dass sie logisch an die Achsen anschließen. Stell dir das Ganze wie ein bewegliches Skelett vor: Die Gelenke sind Drehpunkte, die Arme und Beine setzen sich aus zwei Segmenten zusammen.

    Tipp: Schau dir die Abstände zwischen den Körperteilen genau an! Der Zwischenraum zwischen den Beinen oder zwischen einem angewinkelten Arm und dem Körper hilft dir, die Proportionen und Winkel richtig zu erfassen.

     

    Schritt 4: Füge Muskeln und Haut hinzu

    Klingt makaber, ist aber genau das, was jetzt passiert. Über dein Gerüst legst du die Muskeln und die Körperkonturen. Die Linien werden weicher, die Figur bekommt Volumen. Das heißt natürlich nicht, dass du alle Muskelstränge detailgetreu zeichnest, nur eben so viel, wie es braucht, um die “Körpermasse” zu erkennen.

     

    Einfache Figuren sitzend und bekleidet

     

    Schritt 5: Zieh deine Figur an

    Zum Schluss kommt das Outfit. Die Silhouette steht, jetzt kannst du Kleidung und ein paar wenige Details ergänzen. Am besten, du startest damit, Kleidung als einfache Grundformen, also wie Blöcke zu sehen. Schau dir aber auch an, wie die Kleidung über den Körper fällt und wo sie sich durch Bewegung verzieht oder Falten wirft.

    Achtung: Verliere dich nicht in Details, sonst verliert deine schnelle Skizze an Ausdruck und Lebendigkeit. Es geht erstmal nur darum, eine Skizze mit deiner Skizze auszudrücken, wie die Figur, also die Person, im Raum positioniert ist.

     

    Das war einfach, oder? 

    Wenn du Schritt für Schritt vorgehst, wird aus einem Haufen Linien und Formen eine glaubwürdige Figur – genau wie aus einem Stapel Bretter und Schrauben irgendwann ein Regal wird. Der Vorteil beim Zeichnen? Kein fehlender Imbusschlüssel!

    Hund der buddelt

    Übrigens: Dieses Prinzip kannst du bei fast jedem Motiv anwenden! Natürlich gibt es bei einem Porträt keine Körperachsen und bei einer Landschaft keine Gliedmaßen, aber das Grundprinzip bleibt dasselbe: Zerlege dein Motiv in seine Einzelteile und setze es dann Schritt für Schritt folgerichtig und glaubwürdig zusammen. So schaffst du nicht nur eine stimmige Komposition, sondern auch mehr Realismus, Tiefe und Ausdruck. Also, ran an die Stifte – viel Spaß beim Zeichnen!

  • Dein eigener Stil – die Suche nach dem heiligen Gral?

    Dein eigener Stil – die Suche nach dem heiligen Gral?

    Hast du einen eigenen Zeichenstil?

    In meinen Kursen begegnen mir immer wieder Zeichnerinnen, die sich den Kopf zerbrechen: „Wie finde ich bloß meinen eigenen Stil?“ Als gäbe es irgendwo eine geheime Anleitung oder einen magischen Moment, in dem alles klick macht. Leider (oder zum Glück) funktioniert das so nicht.

    Was ist eigentlich ein eigener Stil?

    Dein Stil ist deine persönliche Handschrift beim Zeichnen – die Art, wie du Linien setzt, Farben kombinierst oder Figuren gestaltest. Er macht deine Bilder unverwechselbar, selbst wenn du dich gar nicht bewusst darum bemühst. Aber kein Künstler kommt mit einem fertigen Stil auf die Welt. Der eigene Stil ist nichts, das man sich aussuchen oder von heute auf morgen festlegen kann. Er entwickelt sich – und zwar mit dir. Aber keine Sorge, du musst ihn nicht krampfhaft suchen. Wahrscheinlich hast du ihn längst, ohne es zu merken. Stil entsteht durch Erfahrungen, Vorlieben, Einflüsse und natürlich jede Menge Übung. Und er bleibt nicht immer gleich: Was du heute malst, kann sich in ein paar Jahren ganz anders anfühlen.

    Denk mal zurück an deine ersten Zeichnungen. Vielleicht waren das Comicfiguren, wilde Kritzeleien oder Kopien aus einem Buch. Hat das noch irgendwas mit dem zu tun, was du heute machst? Vermutlich nicht. Dein Stil hat sich also längst verändert – und wird sich weiterentwickeln.

    Wie kommen Künstler zu ihrem eigenen Stil?

    Viele glauben, man müsse sich einfach nur bewusst für einen Stil entscheiden. So wie man sich morgens überlegt, ob man Jeans oder Kleid trägt. Tatsächlich läuft es aber eher so:

    1. Einflüsse sammeln – Jeder Künstler hat Vorbilder. Die ersten eigenen Arbeiten sind oft eine Mischung aus verschiedenen Inspirationen. Das ist völlig normal! Picasso begann mit impressionistischen Werken, bevor er seinen Weg zum Kubismus fand. Und deine Lieblingsillustratorin hat sicher auch nicht von Anfang an so gezeichnet, wie sie es heute tut.
    2. Üben, üben, üben – Klingt unspektakulär, ist aber der Schlüssel. Dein Stil entsteht nicht durchs Nachdenken, sondern durchs Machen. Je mehr du zeichnest, desto mehr erkennst du Muster: Welche Linien setzt du immer wieder? Welche Farben nutzt du automatisch? Welche Motive liegen dir besonders?
    3. Loslassen und annehmen – Der schwierigste Teil: Viele suchen so angestrengt nach ihrem Stil, dass sie gar nicht merken, dass er längst da ist. Was von selbst immer wieder in deinen Zeichnungen auftaucht – das bist du.
    4. Sich weiterentwickeln – Stil bedeutet nicht, sich auf eine Sache festzulegen und dabei zu bleiben. Gute Künstlerinnen bleiben neugierig, probieren Neues aus und lassen ihren Stil mit ihnen wachsen. Heute magst du klare Linien und reduzierte Farben, in ein paar Jahren vielleicht ausladende Pinselstriche und wilde Kontraste.

    Schließe Frieden mit deinem Stil

    Vielleicht ist es an der Zeit, mit deinem eigenen Stil Frieden zu schließen – so wie er war, so wie er ist und so, wie er sich noch entwickeln wird. Denn genauso wie du dich als Mensch veränderst, tut es dein Stil auch.

    Und wenn du eines Tages auf deine heutigen Werke zurückblickst, wirst du sehen, dass alles, was du getan hast – jede Skizze, jede missglückte Zeichnung, jede Phase, in der du dachtest, du würdest deinen Stil nie finden – genau das war, was dich dorthin gebracht hat, wo du dann sein wirst.

    Also: weniger Grübeln, mehr Zeichnen!

    Viel Spaß und Happy Sketching – Annette


    UrbanSketchingEinsteigerGuide
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  • 🎨 Als meine Skizzen ein neues Level erreichten …

    🎨 Als meine Skizzen ein neues Level erreichten …

    Weißt du, 2015 habe ich nach etlichen Jahren endlich wieder mit dem Zeichnen angefangen. Und wie das halt so ist – man fängt an, sich durch alle möglichen Stifte, Skizzenbücher und Materialien zu probieren. Und so war’s auch bei mir, nicht zuletzt, weil man denkt, das Material macht eine Zeichnung besser ;-).

    Ich habe alles getestet, was ich in die Finger bekommen konnte, doch ich wollte mehr. Das Zeichnen allein war schön, aber ich war neugierig und wollte weiter experimentieren – und das bedeutete für mich vor allem, Farbe ins zu Spiel bringen. Ich wollte sehen, wie ich meine Skizzen mit Farbe weiterentwickeln kann. Und meine erste Wahl waren Aquarellfarben.

    Schon immer hat mich Aquarell fasziniert. Aber ganz ehrlich, ich hatte keine Ahnung, wie das eigentlich funktioniert. Ich gestehe, ich neige dazu, gleich voll einzusteigen (vielleicht kennst du das ja auch von dir?). Also hab’ ich mir erstmal alles angeschafft: Aquarellfarben, Pinsel, gutes Papier (vor allem Skizzenbücher, ich liebe sie!). Das war natürlich nur der Anfang… Es hat mir sofort Spaß gemacht, aber wirklich einfach war es nicht.

    Ich wollte unbedingt diese zickige Farbe in den Griff kriegen, aber gleichzeitig die Leichtigkeit in meinen Skizzen bewahren. Das war meine größte Herausforderung: Wie kriege ich diese fließenden und transparenten Farben so hin, dass es aussieht, als wäre es mühelos?

    Ein früher Versuch: Hier habe ich einfach einen Tintenroller vermalt, aber das Papier war nicht so gut geeignet.

    Es lief nicht immer rund. Viele meiner ersten Versuche sahen einfach… sagen wir mal: nicht besonders gut aus. Irgendwie leblos, etwas gekünstelt – du weißt schon. Aber das Gefühl, wenn man dann den Dreh raus hat und die Farben plötzlich fließen, sich mischen und das Bild auf eine Weise verändern, die ich mit Bleistift (natürlich) nie erreichen konnte – das hat mich gepackt.

    Und seitdem bin ich dran geblieben. Stück für Stück, und ohne den Spaß daran zu verlieren.

    Heute könnte ich mir das Zeichnen ohne Aquarell gar nicht mehr vorstellen. Es ist wie ein kleiner Zauber, der jedem meiner Skizzen noch ein bisschen mehr Leben einhaucht. Wenn du auch Lust hast, Aquarellfarbe in deine Skizzen zu bringen, kann ich dir nur sagen: Trau dich! Es braucht nicht viel, nur ein paar einfache Techniken und den Mut, einfach drauf loszulegen.

    Herzliche Grüße und Happy Sketching,

    Annette

  • Meine Rückkehr zum Zeichnen

    Meine Rückkehr zum Zeichnen

    Wie ich die Freude am Skizzieren wiederentdeckte

    Ich weiß natürlich nicht, wie es bei dir war, aber als ich nach langer Zeit wieder angefangen habe zu zeichnen, habe ich mich zuerst nicht so richtig getraut. Ich liebe Bücher aller Art und hatte deshalb viele wunderbare Skizzenbücher gesammelt. Mein ganzes Regal war voll, eins schöner als das andere. Aber ich hatte immer Angst, meine etwas bescheidenen Zeichenkenntnisse könnten diese wunderbaren Bücher verschandeln.

    Deshalb habe ich es zuerst auf dem iPad ausprobiert. Vor Jahren gab es noch keine besonders guten Programme und auch keine so guten Eingabestifte wie beispielsweise den Apple Pencil, aber ich habe einfach herumprobiert. Und siehe da, es hat geklappt und ich habe wieder gezeichnet. Was mir allerdings gefehlt hat, war das Gefühl des Stiftes auf dem Papier. Es war alles so digital und unnatürlich, es fühlte sich einfach komisch an.

    Da ich, wie gesagt, Bücher sehr liebe (auch solche zum Lesen), bin ich nach einiger Zeit auf das Buch „Mut zum Skizzenbuch“ von Felix Scheinberger gestoßen. Das war eine kleine Offenbarung. Felix hat es vermocht, mir die Angst zu nehmen, in meinem Skizzenbuch einfach zu experimentieren und auszuprobieren. Ein weiteres Buch, das mich sehr beeindruckt hat, ist von Danny Gregory “An Illustrated Life”. Es ist wie ein Bilderbuch, in dem Künstler erzählen, wie sie ihre Skizzenbücher nutzen, welche Materialien sie verwenden und welche Bedeutung ihr Skizzenbuch für sie hat. Dieses Buch gibt es, soweit ich weiß, nur auf Englisch, aber es lohnt sich trotzdem, es anzuschauen, da man vieles auch so gut verstehen kann.

    Jedenfalls habe ich nach der Lektüre dieser beiden Bücher wieder angefangen zu zeichnen, und zwar im Skizzenbuch. Meine Skizzenbücher sind heute meine Spielwiesen. Es sind die Orte, an denen ich neues Material ausprobiere, neue Techniken teste, einfach nur Doodles beim Telefonieren mache oder die ich mit nach draußen nehme, um unterwegs zu zeichnen.

    Sie sind auch ein wenig wie Tagebücher, weil in ein Skizzenbuch niemand reinschaut, dem man es nicht anbietet. So bleiben deine – vielleicht auch etwas ungeschickten – Versuche ganz einfach privat.

    Da ich gerne verschiedene Materialien teste, kann ich mich bis heute nicht auf ein bestimmtes Skizzenbuch festlegen und probiere gerne verschiedenes aus: ein festgebundenes Buch, einfach nur ein Heft oder eines, in dem sich gut mit Aquarellfarben kolorieren lässt. Auch das Format, das ich verwende, ist unterschiedlich. Ich schwanke meistens zwischen wirklich kleinen Formaten wie DIN A6 (also Postkartengröße) bis hin zu ungefähr DIN A4. Alles, was größer ist, empfinde ich als etwas unhandlich. Ich würde wirklich sehr gerne einmal in einem A3-Buch zeichnen, das dann aufgeklappt sogar DIN A2 groß ist, also wirklich riesig. Aber dafür müsste ich immer einen Platz bereithalten, entweder zu Hause oder unterwegs, und das wäre mir, glaube ich, ein wenig zu umständlich.

    Allerdings achte ich bei meinen Skizzenbüchern immer darauf, dass sie nicht zu dünnes Papier haben, damit sie sich auch mit Filzstiften oder Aquarellfarben bemalen lassen. Das heißt, eine Papierstärke ab ungefähr 160 g/qm bis hin zu, ich würde mal sagen, 240 g/qm empfinde ich persönlich als ideal. Natürlich kann man auch noch dickeres Papier nehmen, dann hat man aber nicht so viele Seiten und ist insgesamt auch ein wenig eingeschränkt. Dünneres Papier würde ich auch nicht unbedingt empfehlen, da du sonst möglicherweise mit deinem Stift auf die nächste Seite durchdrückst oder, wenn du mit Filzstiften oder Aquarellfarben arbeitest, das Papier durchweicht oder sich stark wellt.

    Schau doch einfach mal im Künstlerbedarf, welches Buch dir gefällt und mit welchem Papier du am besten zurechtkommst. Wenn du dich noch nicht gut für Papier entscheiden kannst, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Bogen Papier einzeln zu kaufen, diesen zu einem Heft zu falten oder zu nähen und dann einfach mal auszuprobieren, wie das klappt.

    Probiere es einfach mal aus und schreib mir gerne in die Kommentare, welches Skizzenbuch du am liebsten hast.

     

    Happy Sketching!